Hausboote: Schleusen fahren

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Schleusenmanöver

Es warten umso mehr Schleusen auf den Hausboot-Urlauber, je steiler das Tal und die Landschaft sind. Die einen mögen Schleusen, die anderen vermeiden schleusenreiche Regionen. Geschmäcker sind eben verschieden. Wir gehören zu jenen, die es gerne schleusenreich haben. Für uns besteht der Wert des Hausbootfahrens nicht aus der zurückgelegten Strecke, sondern aus den Erlebnissen und Eindrücken, die wir sammeln. Und da ist ein wesentliches Element die Begegnung mit dem Schleusenwärter sowie die in unserem beruflichen Alltag leider viel zu seltene manuelle Betätigung. Schleusenfahren ist ein wichtiger und interessanter Bereich im Verlauf Ihrer Reise mit Hausbooten (außer Sie haben die Camargue mit ihrer einzigen Schleuse ganz oben bei Beaucaire oder die Norfolk Broads, die ja ganz ohne Schleuse auskommen, gebucht – da entgeht Ihnen dieser Genuss). Teamwork ist das Geheimnis eines jeden guten Schleusenmanövers. Ein Schleusenwärter ist zwar nicht verpflichtet, Ihnen zu helfen, er tut es jedoch immer. Er erwartet allerdings auch, dass Sie eine Seite der Schleuse bedienen, während er sich um die andere kümmert. Und wenn er freundlich ist, sollten Sie ihm auch ein kleines Trinkgeld geben. Mittlerweile gibt es aber auch in Frankreich zahlreiche automatisierte Schleusen, bei denen jede manuelle Arbeit wegfällt.Ein Schleusenmanöver mit Hausbooten dauert etwa 10 Minuten, die Vorbereitungen (Hineinfahren etc.) je nach Situation 5 bis 10 Minuten. Jede Schleuse kann etwa 2–3 Hausboote aufnehmen, größere Schleusenkammern (z. B. in Holland und am Shannon) schaffen mehr. Die kleinen Schleusen des mittelenglischen Kanalsystems nehmen meist nur ein Hausboot auf).
Wir empfehlen, während des gesamten Schleusenmanövers den Motor laufen zu lassen; einerseits, weil es Vorschrift ist, andererseits, weil man mit sachter Motorhilfe auch die Strömung in der Schleusenkammer ein wenig auffangen kann. In einigen Regionen wird das von den Schleusenwärtern untersagt, weil sie es gerne ruhig haben und sich die Gegend nicht durch Auspuffgase verstinken lassen wollen. Folgen Sie dann bitte deren Anweisungen.

Annäherung an die Schleuse mit dem Hausboot

Sind die Schleusentore bei Ihrer Ankunft geschlossen, halten Sie rund 50 bis 100 Meter Abstand und machen Sie, falls Sie es für notwendig halten, am Ufer fest. Wenn gerade ein Hausboot in die Gegenrichtung geschleust wird, warten Sie ab, bis es passiert hat, und fahren dann in die Schleuse ein. Ist kein Hausboot in der Schleuse, kann es notwendig sein, dass jemand von Ihrer Besatzung zum Schleusenwärter geht und ihn informiert, daß Sie passieren wollen. Bei einer manuellen Schleuse hilft man gleich bei der Bedienung mit.
Ist eines der beiden Schleusentore geschlossen und das andere offen, dann zeigt dies an, dass der Schleusenwärter Mittagspause macht. Es hat dann keinen Sinn, ihn zu stören – in der Regel wird er darauf nur verärgert reagieren (was sich in einer deutlich verlängerten Wartezeit für Sie auswirkt).

Schleusen mit großem Hub

Speziell in Frankreich kann Ihnen gelegentlich eine Schleuse mit großem Hub (5 Meter oder mehr) unterkommen. Sie finden in diesem Fall Schwimmpoller in der Wand eingelassen; daran machen Sie Ihr Hausboot fest. Die Poller heben und senken sich mit dem Wasserstand. Andere Schleusen wiederum haben Eisenstangen in der Wand, an denen Ihre Leine hinauf- und hinuntergleiten kann. Und schließlich gibt es Schleusen mit fixen Pollern in der Wand, die in einem Abstand von rund einem Meter übereinander angeordnet sind. Sie müssen dann je nach Wasserstand die Leinen umhängen.

Automatische Schleusen

Automatische Schleusen verfügen über unterschiedlichste Systeme. Deren Erklärung ist (vor allem in schriftlicher Form) wesentlich komplizierter als die Ausführung in der Praxis. Für den Verbindungskanal vom Shannon zum Lough Erne beispielsweise erhalten Sie eine Plastikkarte im Kreditkartenformat, mit der Sie die Schleuse über ein ganz simples „Bildstellpult" selbst in Bewegung setzen können (die einzige Camargue-Schleuse bei Beaucaire hat übrigens ein ganz ähnliches Pult). Wenn Sie einen falschen Knopf (es gibt nur zwei!) drücken, passiert gar nichts. Drücken Sie den richtigen, tut die Schleuse, was sie soll.

Daneben gibt es Systeme, bei denen Hausboote mittels Radar erfasst wird, oder wo Sie ein von einer Brücke hängendes Seil ziehen oder verdrehen müssen. Eine Ampel neben der Schleuse zeigt mit einem kleinen gelben Licht an, daß Sie erfaßt wurden. Zeigt die Ampel Rot-Grün, wird die Schleuse für Sie vorbereitet, bei Grün dürfen Sie in die Schleusenkammer einfahren. Rot bedeutet, daß Sie noch warten müssen (weil vielleicht ein Boot aus der Gegenrichtung Vorrang hat oder gerade geschleust wird).

Welches System auch immer an Ihrer Strecke zum Einsatz kommt (an der Oberen Saône in Frankreich sind es gleich mehrere hintereinander): vor Ort erhalten Sie eine knappe Erklärung, die Sie durch eigenes Ausprobieren problemlos in die Tat umsetzen können (auch wenn sie genauso unverständlich oder abstrakt klingen mag wie das, was wir Ihnen hier vorgesetzt haben). Also: keine Angst, nicht zu viel über die verschiedenen Automatik-Systeme lesen (wir wissen noch sehr gut, wie wir uns lediglich aufgrund der so komplizierten Erklärung vor unserer ersten Automatik-Schleuse regelrecht gefürchtet haben), und munter drauf los!

Hier finden Sie aktuelle Schleusenschließungen.